„War das jetzt eigentlich eine Holschuld oder eine Bringschuld?“
Und sie klingt erstmal ziemlich sachlich.
Fast schon professionell.
Aber wenn man genauer hinschaut, steckt etwas ganz anderes dahinter.
Denn in den meisten Fällen geht es gar nicht darum, wie Zusammenarbeit besser funktioniert.
Es geht darum, wer schuld ist, dass es nicht funktioniert hat.
Die eigentliche Frage hinter der Frage
Die Frage nach Holschuld oder Bringschuld hat eine versteckte Funktion.
Sie hilft uns, uns selbst zu entlasten.
Typische Beispiele kennst du wahrscheinlich:
- „Das hätte mir jemand sagen müssen“
- „Das hätten die sich holen müssen“
- „Woher soll ich das wissen?“
Alle diese Aussagen haben eins gemeinsam:
Sie ändern nichts.
Sie lösen kein Problem.
Sie bringen kein Ergebnis näher.
Sie verschieben nur Verantwortung.
Und genau deshalb ist diese Frage so attraktiv.
Weil sie emotional entlastet.
Warum diese Diskussion so gefährlich ist
Das Problem ist nicht, dass die Frage falsch ist.
Das Problem ist, was sie mit deinem Fokus macht.
Sobald du darüber nachdenkst, ob etwas Holschuld oder Bringschuld ist, verschiebt sich deine Aufmerksamkeit:
- weg vom Ergebnis
- hin zur Abgrenzung
- hin zur Rechtfertigung
Du bist nicht mehr im „Wie lösen wir das?“
Du bist im „Wer war’s?“
Und das ist ein komplett anderer Modus.
Ein Modus, der Zusammenarbeit eher verschlechtert als verbessert.
Ergebnisorientierung kennt keine Holschuld
Wenn man das Thema einmal konsequent zu Ende denkt, wird es ziemlich klar.
Ergebnisorientierte Menschen stellen sich eine andere Frage:
Was ist nötig, damit wir unser Ziel erreichen?
Und nicht:
Wer hätte hier eigentlich was tun müssen?
Das klingt banal, ist aber ein massiver Unterschied.
Denn in dem Moment, in dem du dich am Ergebnis orientierst, wird vieles plötzlich egal:
- Ob es „dein Job“ ist
- Ob es formal deine Aufgabe war
- Ob jemand anderes zuständig gewesen wäre
Wenn du siehst, was zu tun ist, dann tust du es.
Nicht, weil du musst.
Sondern weil du das Ergebnis erreichen willst.
Ein einfaches Beispiel
Stell dir vor, du läufst durch ein Hotel.
Auf dem Boden liegt eine Serviette.
Jetzt hast du zwei Möglichkeiten:
- Du denkst: „Nicht mein Job“
- Du hebst sie auf
Beide Reaktionen sind nachvollziehbar.
Aber nur eine bringt das System näher an das gewünschte Ergebnis: ein sauberes Hotel.
Und genau darum geht es.
Kommunikation ist immer gemeinsame Verantwortung
Ein besonders spannender Punkt aus der Folge ist das Thema Kommunikation.
Denn hier zeigt sich das Problem von Holschuld und Bringschuld besonders deutlich.
Wir denken oft in diesen Kategorien:
- Sender verantwortlich
- Empfänger verantwortlich
Aber in Wirklichkeit funktioniert Kommunikation nur gemeinsam.
Ein einfaches Beispiel:
Du sagst: „Bring Wurst mit.“
Die andere Person bringt irgendwas mit.
Du wolltest aber etwas ganz Bestimmtes.
Was ist jetzt passiert?
Formal könnte man sagen:
- Du hättest genauer sein müssen → Bringschuld
- Die andere Person hätte nachfragen müssen → Holschuld
Beides stimmt.
Und gleichzeitig hilft dir beides nicht weiter.
Denn das Ergebnis ist falsch.
Niklas Luhmann hat das einmal sehr klar formuliert:
Kommunikation ist nicht das Senden von Informationen, sondern das Verstandenwerden.
Das bedeutet:
Solange das gewünschte Ergebnis nicht erreicht ist, war die Kommunikation nicht erfolgreich.
Egal, wer „schuld“ ist.
Warum wir trotzdem in diese Falle tappen
Die Antwort ist ziemlich menschlich.
Wenn etwas schiefgeht, entsteht Druck.
Und dieser Druck löst Reflexe aus:
- Selbstschutz
- Rechtfertigung
- Entlastung
Es ist völlig normal, sich aus der Schusslinie bringen zu wollen.
Das Problem ist nur:
Der Preis dafür ist hoch.
Denn in dem Moment, in dem du dich entlastest, gibst du auch etwas ab:
Deine Gestaltungsfähigkeit.
Du entscheidest dich unbewusst dafür, nichts zu tun.
Und darauf zu warten, dass jemand anderes es richtet.
Der eigentliche Hebel: Verantwortung neu denken
Ein Perspektivwechsel hilft hier enorm.
Verantwortung bedeutet nicht:
„Wer ist schuld?“
Verantwortung bedeutet:
„Wer kann eine gute Antwort geben?“
Das ist ein großer Unterschied.
Denn plötzlich geht es nicht mehr um Zuständigkeit.
Sondern um Wirksamkeit.
Und damit verschiebt sich dein Fokus automatisch:
- von Positionierung
- hin zu Gestaltung
Was das konkret im Alltag verändert
Wenn du das einmal ernst nimmst, verändert sich dein Verhalten ziemlich schnell.
Du hörst auf zu warten.
Du hörst auf zu diskutieren.
Und fängst an zu handeln.
Das kann bedeuten:
- du erklärst Dinge zweimal
- du fragst nach, wenn etwas unklar ist
- du gehst aktiv auf andere zu
- du stellst sicher, dass Informationen wirklich verstanden wurden
Nicht, weil du musst.
Sondern weil du ein Ergebnis erreichen willst.
Fazit: Die falsche Frage zur falschen Zeit
Die Frage nach Holschuld oder Bringschuld ist nicht per se falsch.
Aber sie ist oft zur falschen Zeit gestellt.
Denn sie richtet den Blick nach hinten.
Auf Schuld.
Auf Rechtfertigung.
Was du stattdessen brauchst, ist ein Blick nach vorne:
Was brauchen wir jetzt, damit es funktioniert?
Wenn du diesen Fokus hältst, erledigt sich die Schuldfrage oft von selbst.
Wenn du tiefer in das Thema Verantwortung, Kommunikation und Ergebnisorientierung in Teams einsteigen möchtest, hör dir die vollständige Podcastfolge von Veränderungsstabil an.
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Wenn du mit deinem Team daran arbeiten willst, weniger Schuld-Diskussionen zu führen und mehr Ergebnisse zu erreichen, lass uns sprechen.


